Mein Hund lässt sein Spielzeug nicht los - was nun?




 
Nach erfolgreich abgeschlossener Welpenschule wollte ich das mit der Hundeschule eigentlich bleiben lassen. Ich schaffe das alleine und wozu gibt es gute Hundebücher. Doch nach kurzer Zeit zeigte Charly eine lästige Angewohnheit: Er ließ beim Spielen den Ball nicht mehr los

Da half kein bitten und flehen. Er ließ ihn einfach nicht los. In meiner Verzweiflung versuchte ich es mit einem anderen Spielzeug, nur um feststellen zu müssen, dass es meinem Hund egal ist, was er im Maul hat. Er gibt es einfach nicht mehr her.






Wir gingen also zurück zur Hundeschule und standen wieder mit Leckerlies bewaffnet neben Herrchen und Frauchen und übten bis zum Umfallen *Sitz* und *Platz*. Was Charly auch perfekt beherrschte. Er ist eben ein kluges Kerlchen. Bei *Bleib* und *Hier* sah es dagegen schon anders aus. 

Eine Auffrischung schadete da nicht. Denn beim Bleib robbte mir Charly regelmäßig hinterher. Leider fällt es auf, wenn alle Hunde in einer Linie liegen, nur deiner nicht. Hmpf. Anscheinend war ich zu doof, ihm überzeugend zu vermitteln, dass er liegenbleiben soll. Manche in der Gruppe munkelten, dass mein Hund einfach nur stur ist. Ein Jackrussel eben!

 


Nach einigen Wochen Training war das Kommando *Aus* dran. Dieses Kommando wird von Charly  geflissentlich  überhört. Während in der Hundeschule der Schäferhund, der Rotweiler, der Beagle und der Shihtzu nacheinander den Ball in hohen Bogen ausspuckten, blieb bei Charly der Ball fest im Mund verankert. Meinpfh

Da halfen auch keine Leckerchen. Keine Knackwurst. Oder Wienerwürstchen. Er gab das Spielzeug nicht mehr her. Punkt. Genkickt verließen wir die Hundeschule. 

Wenn sich das alles so anhört, als hätte die Hundeschule nichts gebracht, dann stimmt das so nicht. Sie hat viel gebracht. Sie hat mich gelehrt, dass jeder Hund etwas Besonderes ist. Keiner gleicht dem Anderen. Charly ist ein kleiner Jackrussel. Daran gibt es nichts zu rütteln. Ich musste meine Strategie nur ein wenig ändern. Gab ich ihm das Kommando *Aus* wartete ich einfach still.

Meinpfh!!!




Weil ich ruhig vor ihm stehen blieb und nicht, wie sonst üblich, auf ihn einredete, machte es sehr schnell klick bei ihm.  Bald wurde ihm die Warterei zu blöd und er spuckte mir das Spielzeug vor die Füße. Das war mein Moment. Jauchzend hüpfte ich vor ihm auf und ab und lobte ihn überschwänglich. Sooo ein braver. Sooo ein feiner. Und machte mich total zum Affen! 




 
Heute, ein paar Jahre später, reicht ein ruhiges *Aus* und er lässt das Spielzeug in meine Hand plumpsen. Ich habe mein Vertrauen zu Charly zurückgewonnen. 


Und Charly hat mich gelehrt, dass man nicht alle [Hunde]Probleme mit Wurst lösen kann.


Kennt ihr auch Situationen, in denen ihr mit Leckerchen nicht mehr weitergekommen seid?

Liebe Grüße
Sonja & Charly




Kommentare:

  1. Sowohl Genki als auch Momo geben Spielzeug wieder her, bei Genki ist es eher etwas anderes: Zu seinen absoluten Lieblingsspielen gehört es das Spielzeug abzulegen und dann, wenn man danach greifen will, selbst wieder danach zu schnappen. Dabei wartet er auch wirklich bis zu dem Moment, an dem Man das Spielzeug wieder berührt. Ich kann damit aber eigentlich ganz gut leben - Es ist eben sein Spiel und wenn es ihm so Spaß macht... Nur auf seine Finger muss man ganz schön aufpassen.

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    1. Charly macht das auch manchmal. Ich sehe das auch nicht so eng.
      Manchmal soll das Spielen einfach nur Spaß machen, da gebe ich dir vollkommen recht ...

      Liebe Grüße
      Sonja

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  2. Seitdem Socke erkrankt ist, haben Leckerchen eine ganz hohe Bedeutung für sie. Insofern kommen wir mit Leckerchen eigentlich immer sehr weit. Ich würde gerne manches Mal weniger Leckerchen geben, aber Socke besteht darauf und ich frage mich immer, warum ich ihr die Freude nicht gönnen soll. Sicher nicht immer richtig, aber sie nutzt es auch aus.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

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    1. Solange ihr glücklich seid mit der Belohnung, würde ich sie ihr auch geben. Und mit dem Gewicht hat Socke ja auch keine Probleme ...

      Liebe Grüße
      Sonja

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  3. Irgendwann, wenn ich auch einen Hund habe, werde ich hier alle Posts nochmal durchlesen und die eine oder andere Träne dabei vergiessen, weil es so schön ist, hier zu lesen!
    glg Susanne

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    1. Vielen Dank für die lieben Worte!
      Ein Hund hätte es bestimmt gut bei dir. Wer weiß, was die Zukunft bringt ...

      Liebe Grüße
      Sonja

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  4. Wuff, das ist bei mir als Labi fast nicht möglich, für "Gutis" tue ich sehr viel. Doch ich habe auch meinen sturen Kopf - so alles mach ich dann schon nicht - wenn es mir keinen Sinn macht... wird gestreikt.
    Sommergrüsse von der eigenständigen Ayka

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    1. Ihr Beiden könntet Brüder sein. Bei Charly wird auch nichts umsonst gemacht.

      Liebe Grüße
      Sonja

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  5. Bei einigen unserer Hunde haben wir mit Leckerchen viel erreicht ... bei manch anderen nichts :) Daher kann ich nur zustimmen: jeder Hund ist anders und auch die Situationen unterscheiden sich. Damon liebt Leckerchen und kommt bei einem Ruf angelaufen um etwas abzustauben ... es sei denn, er sieht eine KATZE - dann ist ihm alles egal und ich könnte ein Steck auf ihn werfen :) Laika fand Leckerchen nie besonders spannend - sie hat wirklich oft überlegt, ob es sich lohnt für ein kleines Stück irgendwas überhaupt den Kopf zu heben!
    Cara ist für Essen immer zu haben - aber nicht als Belohnung. Da ist es für sie viel schöner, wenn ich einen Ball werfe oder mit ihr tobe.

    Wichtig ist es nur, die passende Belohnung für den Hund und die Situation zu finden ... mit Geduld und manchmal auch Humor :)

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Damon und Cara

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    1. Ha haaa, eine Katze! Da wäre Charly auch weg.
      Deswegen finde ich es auch so wichtig, auf den jeweiligen Hund einzugehen. Das wird in der Hundeschule oft ein wenig vergessen ...

      Liebe Grüße
      Sonja

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  6. Sonja dein Bericht trifft es so auf dem Punkt! Nein jeder Hund tickt anders und dann gibt es einfach noch die Rassebesonderheiten. Leider wird das auf den Hundeplätzen kaum berücksichtigt und nur nach Schema F geübt und gelernt.
    Bei Chiru waren Belohnungen mit Leckerchen eher überflüssig - er war ein Streber in den Hundeschulen und wollte zeigen wie intelligent er ist. Bei Gubacca wollte ich anfangs dann auch erst mal darauf verzichten. ABER, Gubacca ist nicht Chiru - und vieles klappt mit einem Leckerchen doppelt so schnell. Es gibt aber auch Situationen wo das nichts bringt und Kontraproduktiv ist. Ich habe zum Beispiel mit Leckerchen versucht zu bestätigen, dass er nicht in die Leine beißt. Er hat ganz schnell daraus für sich umgesetzt, beiße ich darein und lasse dann wieder los, gibt es Fleischwurst. Oder wenn ich ihn lobe, dass er toll bei Fuß läuft - garantiert hüpft er dann zwei Sekunden später an mir hoch. Dein Trick mit dem Aus und dem Stehenbleiben wirkt oft bei Hunden - du bringst einfach in die Situation. Eine ganz unbedeutende Sache eigentlich, aber wenn er wie Jackys oft schnell hochfährt, ist es das beste was du machen kannst. Ich finde es immer wieder toll, wie du mit den Situationen umgehst und auch offen darüber schreibst!
    Liebe Grüße
    Sali

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  7. Nachtrag: Das wichtigste Wort fehlte im dem Satz :-(. Du bringst RUHE in die Situation. Hilft bei ganz vielen Dingen.

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  8. Obwohl Emma wirklich sehr verfressen ist, würde sie ihr Spielzeug nie für ein Leckerchen loslassen. Wir tauschen. Es gibt also immer zwei Spielzeuge. Das ist zwar nicht die ideale Lösung, aber für uns die beste.
    Liebe Grüße vom Emma und Lotte Frauchen

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